Töchter des Aufbruchs – gesehen in Stuttgart am 12.3.14 bei ver.di

Eben noch laut losgelacht, als eine Muslimin vormacht, wie sie kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland im Laden muhte, um an Rindfleisch zu kommen, schon bleibt der Kloß im Hals stecken, als eine Mutter berichtet, dass sie ihre Kinder in fünf Jahren nur viermal in der Türkei besuchen konnte. Der Film „Töchter des Aufbruchs“ ist ein Wechselbad der Gefühle und geht unter die Haut. Die in den 60er Jahren nach Deutschland gekommenen und hier gebliebenen Töchter sind älter geworden, fast möchte man sagen „weise“. Sie berichten im Rückblick von ihren Erwartungen, Erfahrungen, Enttäuschungen und Erfolgen. Eine über 60-Jährige genießt heute ihre neu erworbene Freiheit, als sie sich nach Jahren gegen den Widerstand ihrer Familie von ihrem sich immer patriarchaler gebärdenden Mann trennte. Eine Freundin erzählt, wie sie sich mit einer Schneiderei selbständig machte und auf diese Weise Familie und Beruf vereinbarte. Eine Andere hat durch ihre Arbeit ihren Geschwistern in der Türkei das Studium ermöglicht.
Arbeit, aber auch Asyl führte die Frauen nach Deutschland. Eine politisch Verfolgte aus dem Irak kommt zu Wort, die eine über fünfjährige Fluchtgeschichte hinter sich brachte und ungebrochen neu hier anfängt. Und eine hier aufgewachsene junge Frau mit familiären Wurzeln im Libanon berichtet von ihrer Heimat Deutschland, in der sie Diskriminierung und Benachteiligung ausmacht. Die Regisseurin Ulrike Bez hat unterschiedlichste Frauen sensibel in Szene gesetzt, die vieles verbindet: Fremdheitserfahrungen, aber auch Energie, Stärke, Lebensmut und -klugheit. Der Film nimmt Partei für Frauen, die selbstbestimmt ihr Leben in die Hand nehmen und kämpfen.

Er ist optimal geeignet als Element der Veranstaltungsreihe „Heimat ist – hier!“ oder „Heimat ist – jetzt!“, die genau das will: Frauen zum Aufbruch ermutigen. Aufbruch kann auch Ankommen heißen. Und er zeigt eindringlich, wie sehr persönliche Schicksale mit politischen Entscheidungen verwoben sind: (Nicht-)Anerkennung von Studienabschlüssen, Asylrecht, Familiennachzug, (fehlende) Kinderbetreuung und Arbeitserlaubnis sind nur einige Stichworte für Sachverhalte, die schmerzliche Spuren hinterlassen und/oder geglücktes Leben ermöglichen.
Dank eines erfolgreichen crowd-funding-Projekts wird es den Film bald auf einer DVD geben, dazu eine Domain und Plakate, so dass er auch in Kinos gezeigt werden kann. Er ist es wert: Wenn Sie ihn als Kooperationspartnerin zeigen können, zeigen Sie ihn, wenn Sie ihn sehen können, sehen Sie ihn!
www.toechterdesaufbruchs.de
http://www.startnext.de/toechter-des-aufbruchspostkarte_toechter_des_Aufbruchs

Sabine Keitel

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