Frauen in Friedrichshafen

Eine der beiden Kursleiterinnen

Eine der beiden Kursleiterinnen


An den sieben Kursterminen des Seminars „Heimat ist hier! Migrantinnen machen mit“ in der VHS Friedrichshafen nahmen Frauen aus verschiedenen Ländern und mit verschiedenen Geschichten teil. Gleich von Anfang an wurde klar, dass jede Teilnehmerin ihren eigenen Weg gegangen ist, eigene Probleme lösen und eigene Ziele erreichen möchte. Aber es gab auch etwas Gemeinsames. Die Seminartreffen waren für uns Frauen aus Polen, Griechenland, Uigurien, Spanien, Rumänien, Kolumbien und Russland interessant und nützlich: Wir haben nicht nur einander kennengelernt und unsere Geschichte erfahren, sondern auch viel über die Stadt, wo wir als neue Bewohnerin zu Hause sein möchten. Mein erster Gedanke war, so schön, dass deine Probleme lösbar sind, dass niemand ohne Probleme kommt und dass es Wege gibt, um die Hindernisse zu bewältigen. Und wichtig ist, dass es Leute gibt, die hilfsbereit sind! Der Erfahrungsaustausch hilft für den eigenen Einstieg, und vielleicht, um weniger Fehler zu machen.
Schon der erste Schritt war ein guter Anreiz, interessant für alle, egal, ob die Teilnehmerin schon 20 Jahre oder erst 3 Monate in Deutschland lebt: Wir erzählten über unseren Namen (und die Namen erzählten über uns!). „Androniki“ kommt in Griechenland so oft wie „Iwan“ in Russland vor, die rumänische „Ilinka“ ist die verkürzte Form vom ursprünglich männlichen Vornamen „Ilja“, der spanische Name „Ana“ wird mit einem „n“ geschrieben und in anderen Sprachen traditionell mit zwei „nn“. Viele Namen stammen von Namen verschiedener Heiligen ab – Teresa, Gloria, Jolanta, Vera. So, wie sie kämpferisch und standhaft waren, so kann jede Besitzerin mit einem solchen Namen auch etwas schaffen!
Was muss man über sein neues Zuhause wissen? Viele große und kleine Sachen, um diesen Ort besser zu verstehen: wie das Leben hier geht, wie Leute miteinander, selbstständig und zusammen wirken, was für uns hier passt und was wir hier machen könnten… Bei anderen Unterrichtsstunden bekamen wir viele Löffelchen aus einem großen Kessel „Stadtsuppe“. Ein historischer Film erzählte uns über die Geschichte Friedrichshafens, über seine bedeutendsten Zeit- und Wendepunkte, wann es gegründet wurde, wie es wuchs und sich entwickelte. Weitere Seiten der Stadtgeschichte konnten wir später nicht nur mit Augen und Ohren, sondern auch mit den Füßen während eines Spaziergangs durch die Stadt erkunden. Wir besuchten damals historische Orte wie den Fridolin-Endraß-Platz mit dem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus, folgten den kleinen Füßchen der Schwabenkinder an der Uferpromenade neben dem alten Hafen, und auch moderne und lebenswichtige Orte blieben für uns nicht fremd. Wir erfuhren, was das „Franziskuszentrum“ bedeutet, wie viele breite Wissensmöglichkeiten uns das Medienhaus mit seiner wunderbaren Bibliothek bietet, zu welchem Stil das Gebäude des Zeppelinmuseums gehört und was dort früher war.
Unsere Leiterinnen ließen auch Fachfrauen zu uns kommen, die modernste Informationen brachten: Wo man Hilfe in schweren Fällen bekommen kann (z.B. bei Gewalt – im Frauenschutzhaus), welche Rechte man als Migrantin hat (beim Arbeits- oder Wohnungsvertrag). Meiner Meinung nach fehlte nur ein Vertreter des Arbeitsamtes. Danach folgte der Besuch einer Sitzung des Stadtrats, wo wir wieder mit eigenen Augen sahen, wie Politiker und Öffentlichkeit respektvoll praktisch zusammenwirken.
Während des Seminars bekamen wir auch Ratschläge zur Körpersprache und nach einer Selbstpräsentation konnten wir uns im Video sehen und kritisch betrachten.
Diese Treffen schufen für alle Teilnehmerinnen Hinweise oder zumindest Anregungen, die jede weiter nach eigener Einsicht entwickeln wird, aus gegebenen Stücken ein eigenes Mosaik zu komponieren.
Lipina Vera, 16.05.2014

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