„Heimat ist – jetzt!“ in Backnang, Abschlussveranstaltung

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Wussten Sie’s schon? In Russland trinkt man beim sozialen Zusammensitzen Tee mit Zucker und Zitrone. In Griechenland wird Kaffee, gerade auch von Frauen, pechschwarz à la Türkei getrunken. Was diesen und anderen Ländern gemeinsam ist, ist jedoch die soziale Funktion. „Willst du einen Kaffee mit mir trinken“ – das ist kulturübergreifend die Einladung zum Gespräch, von der Mongolei bis nach Marokko.

Ohne Kaffee, aber immerhin zum Gespräch geladen wurde in Backnang zur Abschlussveranstaltung der Heimat ist – jetzt!-Reihe unter dem Banner „Kaffeeklatsch und Kuchenschlacht“. Die Teilnehmerinnen dieses letzten Termins stammten zur Hälfte aus Deutschland, zur Hälfte aus anderen Ländern, und diese Balance führte zum Erfolg. Mit Moderation durch Ursula Hefter-Hövelborn und Kalliopi Zarogianni wurden die unterschiedlichen Kaffeetraditionen erforscht. Auch über Gebäck wurde gefachsimpelt, durchzogen von Reminiszenzen an die Kindheit der Anwesenden in ganz verschiedenen Kulturkreisen. Erinnerung geht eben durch den Magen. Der Austausch von Erfahrungen und Meinungen war rege, und nicht immer wurde dabei der Umweg über die deutsche Kultur genommen – wenn entdeckt wird, dass Pierogi in ganz (Süd-)Osteuropa eine lokale Spezialität sind, wird Heimat grenzenlos. Fusionsküche, also wenn in der schwäbischen Kleinstadt Dönerpizza verkauft wird, löst Unterschiede so effektiv auf wie Magensäure die genannte Dönerpizza.

Am Ende wurde dann noch einmal die ganze Veranstaltungsreihe resümiert. Der Film „Töchter des Aufbruchs“, der von den Teilnehmerinnen gemeinsam angeschaut wurde, wurde zitiert, der Besuch einer Vertreterin der Agentur für Arbeit als ausdrücklich sinnvoll gelobt, das allgemeine Klima als angenehm und ausgeglichen beschrieben. Ein einziges, enttäuschendes B-Moll: weder Kaffee noch Kuchen bei der Abschlussveranstaltung!

Der Kaffeeklatsch, sagt das sexistische Vorurteil, ist seicht und harmlos und oberflächlich. Wenn Männer gemeinsam Kaffee trinken, dann ‚klatschen‘ sie nicht, sondern widmen sich selbstverständlich ernstesten Themen: Politik, Weltgeschehen, Wissenschaft. Was für ein hanebüchener Unsinn diese eingebildete Dualität ist, zeigt nicht nur die historische Erfahrung, dass Kaffee in Deutschland in der Vergangenheit als beinhartes Getränk Männern vorbehalten war – das haben auch die Frauen von „Heimat ist – jetzt!“ bewiesen.

L. Siggelkow

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